Zieh deinen inneren Kritiker auf deine Seite

von | Okt 23, 2019

Was zieht uns wirklich runter? Dass es immer jemanden gibt, der besser, schöner oder erfolgreicher ist?
Oder dass wir aus all diesen Personen ein Ideal zusammenbasteln, an das wir nie heranreichen können?
Wir vergleichen uns selbst ständig mit diesen teils unbewussten Idealvorstellungen. Unser innerer Kritiker macht nichts anderes, als sicherzustellen, dass wir uns verbessern und daran anpassen. Unsere innere Stimme wird also immer dann kritisch, wenn wir uns von diesem Ideal entfernen.
Du ahnst es sicher: Der Ursprung dieses einst nützlichen Helfers liegt in unserer Kindheit. Wenn wir noch nichts von den Gefahren der Welt und den Zusammenhängen der Gesellschaft wissen, müssen unsere Eltern uns ermahnen, korrigieren und auch mal schimpfen. Das Kind, das wir waren, reagiert darauf schnell mit Angst. Es glaubt, die Liebe der Eltern zu verlieren, wenn es sich falsch verhält.
Deshalb fangen wir an, uns selbst zu korrigieren, bevor andere es tun können. Bei kleinen Kindern kannst du das manchmal beobachten, wenn sie plötzlich laut zu sich selbst Dinge sagen wie “Nein, das darfst du nicht.”. Der innere Kritiker war nützlich, denn er verhindert, dass wir bestraft werden oder gar in Gefahr geraten.

Auswirkungen eines unbewusst randalierenden Anteils

Das ist eigentlich eine positive Eigenschaft, bis diese Stimme ungesund hartnäckig und übereifrig in der Austeilung von Kritik wird. Dann dreht sich der innerer Dialog hauptsächlich um deine Fehler und lässt nichts Positives an dir.
Nicht zuletzt weil zu den Belehrungen der Eltern immer mehr Normen und Vorgaben von außen kommen, die sich mitunter auch mal widersprechen. Der innere Kritiker wird mit den Jahren immer strenger, weil sein Regelbuch umfangreicher wird. Er hat nicht das Taktgefühl deiner Eltern mitbekommen und lobt deshalb auch nicht.
Bleibt der innere Kritiker weitestgehend unbewusst, kann er schalten und walten wie er will. Er erzeugt negative Selbstgespräche, sät Zweifel und kritisiert selbst noch unsere Stärken. Er erinnert uns an alle Fehler und Misserfolge. Er sagt uns, was möglich ist und was nicht. Damit greift er unser Selbstwertgefühl, unsere Selbstachtung an und kann sogar zu Depressionen führen.

Was will der innere Kritiker?

Dabei meint er es gar nicht böse. Wie jeder Anteil in uns will er nur helfen.
Ja, dein innerer Kritiker versucht wirklich, dich zu beschützen. Und wie eine übereifrige Mutter gibt er nicht auf. Je weniger wir ihm zuhören, desto lauter, gemeiner und häufiger spricht er zu uns.
Das Problem ist: Du verstehst die Botschaft nicht.
Also wird er immer verzweifelter. Er kann nichts tun außer dich zu warnen. In seiner Panik wird er noch eindringlicher. So wird die eigentlich gute Absicht, die Sorge, zu einer lähmenden negativen Haltung gegen uns.

Einen neuen Umgang finden

Die gute Nachricht ist, dass es so nicht sein muss. Im Gegenteil. Unser innerer Kritiker kann zu einem hilfsbereiten Freund werden, der dich jederzeit unterstützt. Dafür müssen wir ihm nur etwas entgegenkommen.
Unsere alte Gewohnheit war es, uns vor der andauernden Kritik zu verschließen. Zeit also, etwas anderes zu versuchen. Anfangs scheint es albern und auch etwas mühselig, aber die Erfolge werden dich sofort umhauen und mit der Zeit wird es immer natürlicher. Probier’s also aus.

Schritt 1: Anders Wahrnehmen

Worum genau drehen sich deine Gedanken, wenn du dich selbst negativ bewertest? Wir alle haben bestimmte Themen, die immer wieder auftauchen. Unser rotes Tuch gewissermaßen. Egal ob es dein Aussehen, Erfolg, Geld oder bestimmte Verhaltensweisen sind. Mach dir einfach mal Notizen.
Beobachte dich selbst und notiere dir die Sätze, die du im Laufe des Tages zu dir sagst.
Du kannst erstmal sammeln und dann den Satz nehmen, der sich richtig anfühlt. Oder du startest einfach mit einem Satz, der dir direkt einfällt.
Wenn du deinen Satz hast, geht es erstmal darum, zu erkennen, was er mit dir macht. Wie fühlst du dich dabei? Spüre in deinen Körper und versuche, das Gefühl zu benennen.
Sagen wir mal, du identifizierst den Glaubenssatz “Mach dir keine Mühe, es klappt sowieso nicht” in Verbindung mit dem Thema Partnerschaft. Du willst vielleicht auf ein Date gehen und einen tollen Partner anziehen. Du spürst also in dich hinein und merkst, wie sich in dir alles zusammenzieht und du dich klein, verkrampft und hoffnungslos fühlst.

Schritt 2: Verändere deine Reaktion

Im zweiten Schritt veränderst du nicht nur deine Reaktion, sondern vor allem die Satzstruktur. Denke daran, dein innerer Kritiker will dich nicht kritisieren, sondern dich schützen.
Konzentriere dich auf die Sorge hinter der Anklage und nimm sie ernst. Das gelingt dir am Besten, indem du den Satz umformulierst.
In unserem Beispiel wird aus “Mach dir keine Mühe, es klappt sowieso nicht” ein “Ich mache mir Sorgen, dass es nicht klappt und du enttäuscht bist, wenn du dir soviel Mühe gibst.”
Klingt gleich ganz anders oder? Diese Umformulierung ermöglicht es, ein Gespräch zu führen.

Schritt 3: Gehe in den Dialog

Dies ist der Teil der Umgewöhnung, die sich erstmal albern anfühlt.
Es ist einfacher, das Gespräch aufzuschreiben. Theoretisch kannst du es aber auch im Kopf führen.
Beginne am besten mit einer Frage. “Du machst dir also Sorgen, dass es nicht klappt und ich hinterher enttäuscht bin?” Schreibe als Antwort auf, was auch immer dir in den Kopf kommt. Ob nun nur ein “Ja” kommt oder ganze Sätze. Alles ist erlaubt.
Frage, warum dein innerer Kritiker sich Sorgen macht. Versucht gemeinsam, das Risiko zu minimieren und praktische Lösungen zu finden. Es geht nicht darum, den inneren Kritiker rational davon zu überzeugen, dass er Unrecht hat. Das würde nicht funktionieren.
Versuche stattdessen wirklich ein Gespräch zu führen. Du kannst diesem Anteil auch einen Namen geben, wenn dir das hilft. Meiner heißt Paul.
Auch wenn sich das Ganze anfangs komisch anfühlt, wird es dir mit ein wenig Offenheit und Übung leicht fallen.

Das bringt dir der Dialog

Dein innerer Kritiker wird nicht nur weniger drängend sein. Er wird dir auch Ratschläge erteilen und dich auf Strategien aufmerksam machen, an die du vorher nicht gedacht hast. Er kann nämlich nicht nur auf das Bewusstsein, sondern auch auf einen Teil des Unbewussten zugreifen. Das gibt ihm Macht, aber auch Weisheit.
Im Gespräch werden dir plötzlich Gedanken und Emotionen auffallen, die du sonst so schnell verdrängst, dass du es kaum bemerkst. Genau diese vorbewussten Reaktionen auf das Gespräch kann dein innerer Kritiker ansprechen und so ins Bewusstsein holen.
Und je öfter du dich bewusst mit deiner inneren Stimme beschäftigst, desto ruhiger wird sie im Alltag. Sie muss nicht mehr rumschreien, um gehört zu werden. Und schon nach kurzer Zeit kommt zu der sofortigen Erleichterung die innere Ruhe, weil die Warnsignale nur noch aufleuchten, wenn sie wirklich notwendig sind.
Mit diesem Vorgehen kannst du Themen behandeln, die gerade aktuell auftauchen. Aber auch solche, die sich immer wieder in dein Leben schleichen. Und du wirst überrascht sein, wie viele verschollene Erinnerungen wieder hochkommen. Vielleicht verlierst du die ein oder andere Träne. Durch sie wird Heilung endlich möglich. Also lass dich darauf ein.

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Text: Janina Jaeckel
Beitragsfoto: Fares Hamouche / Unsplash

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Janina Jaeckel, geboren 1989, lebt und arbeitet in Bielefeld.
Auf ihrer Webseite fensterbanktomaten.de findest Du weitere gut recherchierte und sehr persönlich geschriebene Artikel, die Dir Inspiration und Denkanstösse geben, denn als sozialpsychologische Soziologin hat Janina gelernt, kritisch hinter das Offensichtliche zu blicken.

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