Ho’oponopono – Hawaiianisches Vergebungsritual oder Weltanschauung?

von | Mrz 15, 2018

Ho’oponopono wird oft als ein hawaiianisches Ritual zur Vergebung bezeichnet, tatsächlich steckt aber sehr viel mehr dahinter.
Es ist eine Art zu leben, eine Weltsicht, oder so wie die Begründerin des modernen Ho’oponopono Morrnah Simeona es nannte, eine Art der Selbstidentität: „Ho’oponopono ist ein höchst wertvolles Geschenk, durch das Du das Zusammenwirken mit der inneren Göttlichkeit entwickeln und jederzeit um die Reinigung Deiner Fehler im Denken, Sprechen und Handeln bitten kannst. In diesem Prozess geht es im Wesentlichen um Freiheit, um völlige Freiheit von der Vergangenheit.“

Das Prinzip von Selbstidentität durch Ho’oponopono ist zunächst verwirrend und widerspricht sogar unserem gängigen Weltbild.
Dass Du für all Deine Gedanken, Worte und Taten selbst verantwortlich bist, damit kommst Du vermutlich klar.
Ho’oponopono geht aber noch viel weiter. Wenn Du Ho’oponopono praktizierst, erklärst Du Dich nicht nur für Dich selbst verantwortlich, für all Deine Gedanken, Worte und Taten, sondern auch für alle Gedanken, Worte und Taten der Menschen, die in Deinem Leben vorkommen.
Das bedeutet im Klartext, Du bist verantwortlich für Deinen schlecht gelaunten Chef, Du bist verantwortlich dafür, dass Dein Partner vergessen hat einzukaufen, Du bist verantwortlich für den Nachbarn, der seine Kinder schlecht behandelt, Du bist verantwortlich für die Flüchtlingsströme, für Donald Trump, für Hitler, für … echt jetzt???

Lass uns an dieser Stelle ein bisschen ausholen und über Dr. Hew Len sprechen.

Dr. Ihaleakala Hew Len und wie er durch Ho’oponopono eine ganze Station geisteskranker Krimineller heilte

Dr. Ihaleakala Hew Len ist wohl einer der bekanntesten Vertreter von Selbstidentität durch Ho’oponopono. Er war ein direkter Schüler von Morrnah Simeona.

Von 1984 bis 1987 übernahm er die psychologische Leitung einer Station des Hawaii State Hospitals, auf der gefährliche kriminelle Geisteskranke (Mörder, Vergewaltiger, …) untergebracht waren. Diese Station war bekannt für tägliche gewalttätige Übergriffe und für viele Krankmeldungen des Personals. Die meisten Psychologen, die dort anfingen zu arbeiteten, kündigten bereits nach dem ersten Monat wieder. Die Leute liefen mit dem Rücken zur Wand, weil sie Übergriffe befürchteten.

In den drei Jahren seiner Tätigkeit hatte Dr. Hew Len niemals direkten Patientenkontakt. Wenn er einen von ihnen sah, dann höchstens per Zufall auf dem Flur. Seine Arbeitsmethode war Selbstidentität durch Ho’oponopono. Er übernahm also die hundertprozentige Verantwortung, für alles und jeden. Zwanzig Stunden die Woche saß er in seinem Büro und während er die Krankenakten der Patienten las, arbeitete er ausschließlich an sich selbst. Er fragte sich: „Was geht in MIR vor, dass sich dieses Problem in MEINER Außenwelt sichtbar macht?“. Da er das Problem IN SICH erkannte, sprach er die Worte „Es tut mir leid. Ich liebe Dich.“

Diese Vorgehensweise führte mit der Zeit dazu, dass fixierten Patienten erlaubt wurde frei umherzugehen und diejenigen, die stark unter Medikamenten standen, konnten diese absetzen. Auch das Personal begann mit Freude zur Arbeit zu kommen. Letztlich verbesserten sich die Umstände derart, dass die meisten Patienten entlassen werden konnten und die Station schließlich nach drei Jahren komplett geschlossen wurde.
Diese Begebenheit ist sicher die spektakulärste und bekannteste im Zusammenhang mit dem Praktizieren von Ho’oponopono.

Deinen Ärger hast Du selbst erschaffen, genau genommen hast Du sogar die Person, die Dich ärgert selbst erschaffen.

Alles was in Deiner Außenwelt als „Problem“ sichtbar wird, ist nach Ho’oponopono nichts anderes als eine wiederkehrende Erinnerung, ein gespeichertes „Programm“, das Du noch nicht in Liebe bearbeitet hast, um es somit von Deiner „Festplatte“, also aus Deinem Unterbewusstsein zu löschen. Die Außenwelt fungiert immer nur als Spiegel Deines Inneren. Genau genommen gibt es die Außenwelt nach Ho’oponopono sogar überhaupt nicht – wenn Du nicht mehr da bist, gibt es die Welt auch nicht mehr. Aber hier setzt Deine Vorstellungskraft wahrscheinlich komplett aus, genau wie meine, also lass uns lieber die Kurve kriegen und bei den „Programmen“ bleiben. 😉

Ok … um also ein solches Programm zu löschen gibt es ein paar Möglichkeiten. Die bekannteste und auch einfachste Methode ist das (innere) wiederholte Sprechen dieser vier Sätze:

Es tut mir leid. – Bitte vergib mir! – Ich liebe Dich. – Ich danke Dir.

Dabei wendest Du Dich innerlich an das Göttliche / die Liebe / das Universum / Dein höheres Selbst / die Quelle / Gott / Vater / Tao / das Leben / die Natur / Zero / Allgeist / Brahman … wie auch immer Du es nennen magst. Der Einfachheit halber bleibe ich jetzt bei dem Begriff „das Göttliche“, Du darfst den Begriff dann jeweils für Dich ersetzen.

Durch das Sprechen dieser Formel reinigst Du die Energie, die Dich mit dieser Person (die das Problem für Dich sichtbar macht) verbindet. Du reinigst damit Dich UND die betreffende Person. So wie Dr. Hew Len sich selbst und somit die Insassen seiner Station reinigte und heilte.

Was bedeuten diese Sätze im einzelnen?

Es tut mir leid.

Dr. Hew Len pflegt auf seinen Seminaren zu sagen: „Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass immer wenn Du ein Problem hast, Du selbst auch anwesend bist?“. Offensichtlich hat dieses Problem mit Dir zu tun, sonst wäre es nicht in Deiner Welt. Mit dem Sprechen dieses Satzes erkennst Du an, dass das Problem IN DIR existiert. Du stehst in Resonanz mit diesem Problem oder Gefühl, Du bist ein Teil dessen, und es tut Dir leid, dass es sich dadurch in Deinem Außen sichtbar machen muss.

Bitte verzeih mir!

Du übernimmst hiermit hundertprozentige Verantwortung für das Vorhandensein des Problems und bittest um Vergebung. Du übergibst das Problem an das Göttliche zur Reinigung und Transformation.

Da sich viele mit dieser Aussage schwer tun und es oft Fragen dazu gibt, nehme ich es an dieser Stelle vorweg: Du solltest bei diesem Satz nicht das Gefühl haben, eine Schuld auf Dich zu nehmen. So etwas wie Schuld gibt es gar nicht. Sieh es mehr wie das „Verzeihung!“ wenn Du jemanden anrempelst. Es war einfach nicht Deine Absicht. Und trotzdem bittest Du um Verzeihung.

Ich liebe Dich.

Wenn Du „Ich liebe Dich“ sagst, so ist das wie ein Schlüssel zum Göttlichen. Liebe verwandelt blockierte Energie. Liebe reinigt die Situation. Du liebst und respektierst das Göttliche in Dir selbst und in der anderen Person.
Du gehst damit zurück zum Ursprung, zurück in den leeren, göttlichen Zustand ohne Programmierungen, jedes Mal ein Stückchen mehr.

Ich danke Dir.

Für die bevorstehenden Reinigung / Löschung des Programms bist Du zutiefst dankbar. Hiermit signalisierst Du auch Dein Vertrauen darüber, dass die Transformation des Problems tatsächlich vollbracht sein wird. Mit „Ich danke Dir.“ bringst Du den Prozess zum Abschluss. Du hast die göttliche Ordnung wieder hergestellt – dies ist übrigens auch die Übersetzung von Ho’oponopono, etwas „richtig (pono) richtig (pono) machen (ho)“.

Nun kennst Du die Bedeutung der vier Sätze. Allerdings musst Du all das nicht fühlen während Du sie sprichst. Bei aufkommendem Ärger ist es nahezu unmöglich „Ich liebe Dich“ wirklich zu fühlen und das musst Du auch nicht, es ist vollkommen okay, die Sätze einfach runter zu leiern. So wie man das eben macht mit einem Mantra, und um nichts anderes handelt es sich hierbei. Der Trick dabei ist folgender: Du kannst nicht ein Mantra der Liebe sprechen und Dich gleichzeitig Deinem Ärger hingeben.

Du kannst die Sätze auch in der Reihenfolge tauschen, Sätze weglassen oder nur einzelne Sätze sprechen, wenn es sich für Dich besser anfühlt. Ich würde Dir aber empfehlen, es zunächst mit dem Sprechen der kompletten vier Sätze zu probieren. Joe Vitale (der zusammen mit Dr. Hew Len Seminare leitet) bezeichnet die vier Sätze auch als „spirituelles Kombinationsschloss“, das genau die richtigen Gefühle in Dir öffnet, damit Du das Problem loslassen kannst.

Und wie sieht das jetzt im Alltag aus? Ein Beispiel für Dich.

Du ärgerst Dich über eine unfreundliche Kassiererin – nun hast Du die Wahl.
Du kannst Dich natürlich über sie ärgern, es „unmöglich“ finden, wie Du hier als Kunde behandelt wirst. Abends erzählst Du vielleicht noch Deinem Partner von „dieser dummen Schnecke“.
Deine gespeicherte Erinnerung bleibt so erhalten und Du triffst diese demnächst wieder, entweder in derselben Person oder z.B. in Form eines genervten Arbeitskollegen, oder was oder wer auch immer ein ähnliches Gefühl in Dir auslöst.

Wenn Du stattdessen Ho’oponopono praktizierst, betrachtest Du zunächst einmal Deinen aufkommenden Ärger und fragst Dich: „Das ist ja interessant! Was könnte wohl in mir vorgehen, dass sich diese Situation als Spiegel meiner Innenwelt zeigt? Was hat die Kassiererin in sich, das auch ich in mir trage?“
Selbst wenn Du darauf keine Antwort hast – und das brauchst Du auch nicht, denn das Göttliche weiss es ohnehin besser als Du – beginnst Du mit dem Rezitieren der vier Sätze und fängst somit an, dieses Programm zu löschen bzw. Du übergibst das Problem an das Göttliche zur Reinigung. Nach und nach wird es von Deiner „Festplatte“ verschwinden und irgendwann muss es sich dann gar nicht mehr als Problem im Außen zeigen.
Du wirst auch feststellen, dass Dein Ärger schon unmittelbar in der jeweiligen Situation kleiner sein wird und die Situation wie von alleine deeskaliert.

Friede beginnt immer in Dir.

Sicherlich ist es mit dem gelegentlichen inneren Sprechen der vier Sätze nicht getan und der Weltfrieden liegt noch weit von uns entfernt.
Dr. Hew Len sagt: „Du wirst immer Probleme haben. Probleme sind Erinnerungen, die wieder ins Bewusstsein geraten und es sind nicht nur Deine, es sind die Probleme, die alle haben und Du kannst nichts tun, außer mit Liebe zu antworten. Die Göttlichkeit hört es und antwortet somit ebenfalls mit Liebe. Aber auf eine Weise, die für alle zum besten ist. Du kannst wählen. Aber Du entscheidest nicht.
Dennoch trägst Du die volle Verantwortung für alles. Alles ist in Dir. Einfach alles. Ohne eine einzige Ausnahme. Du musst alles selbst reinigen oder es wird nicht gereinigt. Jeden Tag. Reinigen, reinigen, reinigen.“

Es ist eine Lebensaufgabe und darum bezeichnete Morrnah Simeona es auch nicht als „Methode“ sondern als „Selbstidentität“.
Sobald Du ein Problem wahrnimmst liegt es auch in Deiner Verantwortung. Friede und Freiheit beginnt immer in Dir.
Wenn Du Dich frei machst von all Deinen Erinnerungen und Programmen, täglich aufs Neue, schaffst Du leeren Raum. Und dieser leere Raum kann gefüllt werden – mit Inspiration, mit Liebe, mit dem Draht zum Göttlichen, mit kleineren und mit größeren Wundern.

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Anmerkung:
In diesem Artikel geht es um das moderne Ho’oponopono nach Morrnah Simeona bei dem man ausschließlich an sich selbst arbeitet und nicht um das traditionelle Ho’oponopono, bei dem eine Zeremonie mit allen am jeweiligen Konflikt beteiligten abgehalten wird.

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Text: Tanja
Beitragsfoto: Unsplash

Quellen:
ZeroLimits – Joe Vitale / Dr. Ihaleakala Hew Len
Das letzte Geheimnis von „Zero Limits“ – Joe Vitale
Ho’oponopono – Der Weg zur Vollkommenheit! – Barbara Terra

Ich empfehle diese Bücher auch ausdrücklich allen, die mehr wissen wollen.

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Ich glaube daran, dass Glück dann entsteht, wenn Du Ja sagst zu Dir selbst. Das Leben ist ein fortwährender Entwicklungsprozess, und ich möchte Dir auf dieser Webseite Ideen, Konzepte und Produkte vorstellen, die mir auf meinem Weg schon geholfen haben.

Ich bin Tanja, Grafikdesignerin, zertifizierte Hypnotiseurin und Gründerin von kyō. Seit fast 20 Jahren orientiere ich mich am Buddhismus, meditiere regelmäßig und besuche Retreats. Ich lebe mit meinen beiden Kindern in Stuttgart.

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